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title: "KI stimmt dir zu viel zu — fünf Berater, die sich festlegen."
description: "Elf Modelle, darunter Claude, stimmten im Schnitt 49 Prozent häufiger zu als Menschen. So holst du fünf einseitige Berater in einen Claude-Chat, lässt sie sich anonym prüfen und bekommst einen Beschluss mit den Schritten für Montagmorgen."
category: guides
date: 2026-10-30
canonical: https://thanisch.co/wissen/guides/council-skill
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# KI stimmt dir zu viel zu — fünf Berater, die sich festlegen.

- Was die 49 Prozent in der Stanford-Studie sind, und was sie nicht sind

- Woher der Ablauf kommt: Karpathys LLM Council, übertragen auf einen Claude-Chat

- Die fünf Berater, die anonyme Prüfung und der Beschluss des Vorsitzenden

- Eine gekürzte Sitzung zur Frage, ob ein Newsletter kostenpflichtig wird

- Wie blind die Prüfung in Claude Code und in Claude.ai wirklich ist

> **Kurz gesagt**
> KI-Modelle stimmen dir systematisch zu viel zu. Mit einem Rat aus fünf bewusst einseitigen Beratern, einer anonymen Prüfung und einem Vorsitzenden bekommst du statt Bestätigung eine Entscheidung. *Mit verworfenen Einwänden, Risiken und den Schritten für Montagmorgen.*

Du fragst Claude oder ChatGPT, ob du den Preis anheben, das Angebot streichen oder den Newsletter kostenpflichtig machen sollst. Die Antwort klingt durchdacht, wägt ab und landet nah an dem, was du schon dachtest. In der Forschung heißt das Sycophancy: Das Modell stimmt zu, auch wenn die Annahme schwach ist.

## Was die Studie gemessen hat

Myra Cheng, Dan Jurafsky und Kollegen an der Stanford University haben das am 26. März 2026 in *Science* veröffentlicht: [Sycophantic AI decreases prosocial intentions and promotes dependence](https://www.science.org/doi/10.1126/science.aec8352). Der [Stanford Report vom selben Tag](https://news.stanford.edu/stories/2026/03/ai-advice-sycophantic-models-research) fasst die Ergebnisse zusammen.

Getestet wurden 11 Modelle, darunter Claude, ChatGPT, Gemini und DeepSeek. Bei allgemeinem Rat und bei Beiträgen aus dem Subreddit r/AmITheAsshole haben die Modelle im Schnitt **49 Prozent häufiger** zugestimmt als Menschen. Das ist der Durchschnitt über alle elf Modelle. Ein Wert nur für Claude steht in der Studie nicht.

Zwei weitere Zahlen aus derselben Messung, ebenfalls als Schnitt:

### 1. Klares Unrecht, trotzdem Ja

2.000 Posts, bei denen die Community den Fragenden im Unrecht sah. Die Modelle haben im Schnitt in **51 Prozent** der Fälle trotzdem zugestimmt. Dieselbe Lage bei Menschen: 0 Prozent.

### 2. Schädliche Handlungen

Bei Täuschung, Illegalität und anderem Schaden haben die Modelle das Verhalten in **47 Prozent** der Fälle bejaht.

Wer die zustimmende Antwort bekam, hielt sie für vertrauenswürdiger und wollte danach seltener den Konflikt reparieren. Dieselbe Eigenschaft, die das Urteil verzerrt, bringt Leute dazu, wiederzukommen.

Für eine einzelne Entscheidung heißt das: Du holst dir eine zweite Meinung und bekommst oft deine eigene zurück, nur in ganzen Sätzen. Wer ChatGPT das Zustimmen in allen Chats abgewöhnen will, findet die Anweisung im Stück [ChatGPT stimmt dir zu](/wissen/prompts/chatgpt-nicht-zustimmen). Der Rat hier ist das Gegenstück für eine Frage, bei der du dich festlegen musst.

## Woher der Ablauf kommt

Andrej Karpathy ist Mitgründer von OpenAI. Seit Mai 2026 arbeitet er bei Anthropic im Pre-Training. Er hat den Wechsel am 19. Mai 2026 selbst bekannt gegeben, [TechCrunch hat die Rolle nachgefragt](https://techcrunch.com/2026/05/19/openai-co-founder-andrej-karpathy-joins-anthropics-pre-training-team/).

Im November 2025 hat er [LLM Council](https://github.com/karpathy/llm-council) veröffentlicht. Mehrere Modelle beantworten dieselbe Frage, bewerten die Antworten der anderen ohne Namen und ein Vorsitz-Modell schreibt die Fassung, die du am Ende siehst. Karpathy nennt es ein Wochenend-Experiment und pflegt es nicht weiter.

Der [Council-Skill](https://github.com/Ultra-Smashed/council-skill) überträgt denselben Ablauf auf einen einzelnen Claude-Chat. Die fünf Stimmen sind Rollen desselben Modells, jede mit einer Leitfrage, die sie nicht verlässt. Die Lizenz ist MIT.

## Die fünf Berater

Jede Rolle ist absichtlich einseitig. Zusammen decken sie ab, was ein einzelner Chat glattbügelt.

### 1. Pessimist

Was kann scheitern, und woran merkt man es früh?

### 2. First-Principles-Denker

Welche Annahmen stecken in der Frage, und welche davon sind nur geglaubt?

### 3. Expansionist

Welches Potenzial übersiehst du, und wie sähe die größere Version aus?

### 4. Außenstehender

Wie wirkt das auf jemanden, der nichts über deine Branche weiß?

### 5. Umsetzer

Was passiert am Montagmorgen, wer macht es, und wie lange dauert es?

Der Vorsitzende ist keine sechste Meinung. Er liest die fünf Antworten und die Prüfungen und legt sich fest: was entschieden wird, was verworfen wird, und wann neu verhandelt wird.

## Der Ablauf

### 1. Briefing

Claude klärt höchstens drei Punkte: welche Entscheidung ansteht, was das Ziel ist, welche Grenzen gelten. Zahlen, Fristen und das, was feststeht, gehören hierher. Was fehlt, wird später die erste Aufgabe im Beschluss.

### 2. Runde 1

Alle fünf antworten unabhängig, im selben Format und mit 250 bis 400 Wörtern. Die gleiche Länge ist Absicht. Sonst erkennt man den Pessimisten schon an der Form, bevor jemand den Inhalt prüft.

### 3. Runde 2

Das Werkzeug `council.py` entfernt die Rollennamen, mischt die Antworten und gibt jedem Berater die vier anderen als Antwort A bis D, in eigener Reihenfolge. Jeder nennt pro Antwort den stärksten Punkt, den schwächsten Punkt und was fehlt, dazu eine Rangfolge.

### 4. Aufdecken

Die Namen kommen zurück. Platz 1 gibt 3 Punkte, Platz 4 gibt null. Jede Rolle wird von vier anderen bewertet, das Maximum ist 12.

### 5. Beschluss

Der Vorsitzende entscheidet eindeutig. Dazu kommen die verworfenen Einwände, Risiken mit Gegenmaßnahmen, die Schritte für Montagmorgen, diese Woche und 30 Tage, und ein Kriterium, ab dem neu verhandelt wird.

Du bekommst das ganze Protokoll: die fünf Antworten, die aufgedeckten Prüfungen mit Rangtabelle und den Beschluss.

## Eine Sitzung, gekürzt

Im Repo liegt die [komplette Sitzung](https://github.com/Ultra-Smashed/council-skill/blob/main/skills/council-skill/beispiel.md) zur Frage „Soll ich meinen Newsletter kostenpflichtig machen?“. Der Fall ist ausgedacht. Die Antworten sind aus dem Protokoll übernommen. Hier die Fassung, an der du das Ergebnis siehst.

Das Briefing: ein wöchentlicher Newsletter über KI im Arbeitsalltag, seit zwei Jahren, 4.200 Abonnenten, Öffnungsrate 48 Prozent. Eine Person schreibt ihn neben der Beratung, etwa sechs Stunden pro Woche. Einnahmen bisher ein Sponsoring, rund 600 Euro im Monat, gezahlt für die ganze Liste. Überlegt wird ein Bezahlmodell für 8 Euro im Monat, entweder komplett oder als Freemium mit einer Bezahlausgabe. Zwei Ziele: Der Newsletter soll sich selbst tragen, und er soll neue Beratungskunden bringen. Wie viele Kunden er bisher gebracht hat, ist nicht gemessen. Die sechs Stunden lassen sich nicht einfach erhöhen.

In Runde 2 kam diese Rangtabelle heraus. Platz 1 gibt 3 Punkte, Platz 4 null.

| Rolle | Punkte | Platz 1 |
| --- | --- | --- |
| First-Principles-Denker | 10 von 12 | 2× |
| Umsetzer | 9 von 12 | 2× |
| Außenstehender | 6 von 12 | 1× |
| Pessimist | 3 von 12 | 0× |
| Expansionist | 2 von 12 | 0× |

Oben stehen die beiden Antworten, die den Zielkonflikt benennen und daraus eine Messung machen. Eine Bezahlschranke verkleinert die Reichweite, an der Sponsoring und Kundengewinnung hängen. Der Pessimist bleibt bei 3 Punkten, weil er Risiken auflistet und keinen nächsten Schritt nennt. Der Expansionist bei 2, weil Firmenlizenz, Archiv, Kurs und mehrere Sponsoren nicht in sechs Stunden pro Woche passen. Der Außenstehende trifft denselben Konflikt in einem Bild: Wer Geld von den Lesern und neue Kunden will, stellt eine Kasse vor die Ladentür, durch die die Kunden kommen sollen.

### Der Beschluss

Nein. Der Newsletter wird jetzt nicht kostenpflichtig, weder komplett noch als Freemium. Acht Wochen bleibt er frei. In der Zeit wird gemessen, ob er Beratungskunden bringt und ob Leser für 8 Euro zahlen würden. Danach fällt die Entscheidung anhand fester Schwellen.

Verworfen hat der Vorsitzende drei Einwände aus der Runde:

- Eine Messwoche reicht. Beratungskunden kommen selten, eine Woche zeigt kaum etwas über den Kanal.
- Die Bezahlausgabe ersetzt eine Gratisausgabe, damit die Zeit reicht. Dann fällt eine gesponserte Ausgabe pro Monat weg, und die eigene Rechnung wird schlechter.
- Firmenlizenz, Archiv, Kurs und mehrere Sponsoren gleichzeitig. Das passt nicht in sechs Stunden. Eine Idee bleibt: Beim Sponsor auch nach mehr Geld fragen, gestützt auf die Öffnungsrate.

Drei Risiken bekommen eine Gegenmaßnahme. Ein Ja in einer Umfrage überschätzt die Zahlungsbereitschaft, deshalb eine Vormerkliste mit Preis, denn Eintragen ist mehr als Klicken. Schon die Ankündigung kann Leser kosten, deshalb nichts ankündigen und die Liste als Frage formulieren. Der Sponsor kann sich zurückziehen, deshalb das Gespräch vor jeder Änderung, und die Antwort schriftlich.

### 1. Montagmorgen

Beratungskunden der letzten 24 Monate durchgehen und markieren, wer über den Newsletter kam. 45 Minuten. Ab sofort im Erstgespräch fragen: „Wie sind Sie auf mich gekommen?“

### 2. Diese Woche

Buchungslink mit eigenem Tracking in jede Ausgabe. Vormerkliste in die nächste Ausgabe. Sponsor anrufen: Zahlt er bei Freemium weiter, und würde er mehr zahlen?

### 3. In 30 Tagen

Zwischenstand mit drei Zahlen: Kunden mit Newsletter-Herkunft, Einträge auf der Vormerkliste, Antwort des Sponsors. Die endgültige Entscheidung nach acht Wochen.

> **Merke**
> Neu verhandeln, wenn nach acht Wochen mindestens 150 Einträge auf der Vormerkliste stehen und höchstens ein Beratungskunde nachweislich über den Newsletter kam. Dann ist er eher die Ware als das Schaufenster, und Freemium startet.

> **Grenze, schon im Beschluss**
> Der Rat ersetzt keine Steuerberatung. Ein kostenpflichtiges Abo kann umsatzsteuerlich anders behandelt werden als Sponsoring. Das klärt die Steuerberatung, bevor etwas startet.

## Wie blind ist die Prüfung?

In **Claude Code** laufen die Berater als Subagents. In Runde 1 sieht jeder nur das Briefing und seinen eigenen Auftrag, in Runde 2 nur sein gemischtes Paket. Kein Prüfer kennt die Zuordnung, und keiner hat die anderen Antworten mitgeschrieben. Die Prüfung ist dort blind und unabhängig.

In **Claude.ai** schreibt ein Chat alle Rollen nacheinander. Die Namen verschwinden trotzdem, über `council.py` oder, ohne das Werkzeug, indem Claude selbst mischt. Dasselbe Modell weiß aber, was es gerade geschrieben hat. Die Prüfung ist dann inhaltlich blind. Unabhängig ist sie nicht.

> **Merke**
> Blind heißt ohne Namen. Eine Antwort voller Risiken erkennst du trotzdem als die des Pessimisten. Bewertet wird das Argument, nicht die Rolle.

## Installation

Claude Code brauchst du dafür nicht. Es reicht Claude im Browser, in der Desktop-App oder auf dem Handy mit einem bezahlten Plan: **Pro, Max, Team oder Enterprise**. In den Einstellungen muss die Codeausführung an sein, damit Claude den Skill nutzen und `council.py` ausführen kann. Dann fügst du diesen Text in einen neuen Chat ein:

**Claude**

```
https://github.com/Ultra-Smashed/council-skill

installiere den Skill
```

Claude holt sich den Skill aus dem Repo und bestätigt die Installation. Das Werkzeug braucht Python 3.8 oder neuer und keine weiteren Pakete. Das ist in Claudes Umgebung schon da. Sitzungen landen im Ordner `.council/`.

> **Ohne Codeausführung oder im Gratis-Plan**
> Lade `SKILL.md` und `berater.md` aus dem Ordner `skills/council-skill` im Repo herunter und gib beide Dateien in den Chat oder in ein Claude-Projekt. Claude arbeitet nach derselben Methode und mischt die Antworten selbst.

Wer mit Claude Code arbeitet, installiert den Skill als Plugin:

```text
/plugin marketplace add Ultra-Smashed/council-skill
/plugin install council-skill@council-skill
```

## So rufst du den Rat ein

Du musst keinen Befehl kennen. Schreib die Frage in normalen Worten und gib Zahlen, Fristen und das mit, was feststeht. Der Rat erfindet nichts. Was fehlt, wird im Beschluss zur ersten Aufgabe. Die Zahlen im ersten Prompt sind ein Beispiel, du ersetzt sie durch deine.

Nach der Sitzung kannst du eine Rolle nachfassen oder die Sitzung mit neuen Zahlen wiederholen.

Das Reel zu diesem Stück liegt auf [Instagram](https://www.instagram.com/christopher_thanisch/).

## Grenzen

- Der Rat ersetzt keine Fachberatung zu Recht, Steuern, Medizin oder Geld. Der Vorsitzende sagt das und nennt, wen du fragen solltest.

- Fünf Rollen eines Modells sind fünf Blickwinkel, nicht fünf Menschen mit eigener Erfahrung.

- Der Rat weiß über deinen Markt nur das, was du ihm sagst. Eine fehlende Zahl wird zur Aufgabe, nicht zu einer erfundenen Zahl.

- In Claude.ai ist die Prüfung inhaltlich blind. Unabhängig ist sie nur in Claude Code, wo die Berater als Subagents laufen.

- Eine hohe Punktzahl heißt, dass die anderen Rollen das Argument stark fanden. Sie heißt nicht, dass die Empfehlung in deinem Markt stimmt.

## Quellen

- Cheng, Jurafsky u. a.: [Sycophantic AI decreases prosocial intentions and promotes dependence](https://www.science.org/doi/10.1126/science.aec8352), *Science*, 26. März 2026. Zusammenfassung: [Stanford Report](https://news.stanford.edu/stories/2026/03/ai-advice-sycophantic-models-research).
- Andrej Karpathy: [LLM Council](https://github.com/karpathy/llm-council), November 2025.
- Wechsel zu Anthropic, Pre-Training: [TechCrunch, 19. Mai 2026](https://techcrunch.com/2026/05/19/openai-co-founder-andrej-karpathy-joins-anthropics-pre-training-team/).
- Der Skill, MIT-Lizenz, mit der vollständigen Sitzung: [Ultra-Smashed/council-skill](https://github.com/Ultra-Smashed/council-skill).

## Dein Aktionsplan

Hak ab, was du erledigt hast:

- [ ] Codeausführung eingeschaltet, oder `SKILL.md` und `berater.md` in den Chat gelegt

- [ ] Repo-Link und „installiere den Skill“ in einen neuen Chat eingefügt

- [ ] Eine echte Entscheidung mit Zahlen, Fristen und dem, was feststeht, in den Rat gegeben

- [ ] Rangtabelle und Beschluss gelesen, inklusive der verworfenen Einwände

- [ ] Die Schritte für Montagmorgen in den Kalender geschrieben

- [ ] Das Kriterium notiert, ab dem neu verhandelt wird
