Das lernst du
Wenn du Claude noch einzelne Prompts schickst, bist du hinterher.
Boris Cherny, Gründer und Head of Claude Code bei Anthropic, sagt es so: Er promptet Claude nicht mehr. Er hat Loops, die laufen — und die prompten Claude und finden heraus, was als Nächstes dran ist. Seine Arbeit: Loops schreiben, nicht jede Runde tippen.
Das Problem mit manuellem Prompten
Beim manuellen Prompten bleibst du im Hin und Her stecken. Ein Loop übernimmt genau das.
Die Antwort ist halb fertig. Du fragst nach. Nochmal. Nochmal.
Etwas ist schief. Du kopierst den Fehler zurück und erklärst, was anders soll.
Sobald etwas sitzt, tippst du den nächsten Schritt. Du bist der Scheduler — Prompt für Prompt.
Immer wieder von vorn. Das ist Babysitting, kein System.
Was ein Loop eigentlich ist
Ein Loop ist kein besserer Prompt. Es ist ein Zyklus: Sense → Decide → Act → Check. Das Modell trifft selbst Entscheidungen, statt einem festen Skript zu folgen.
Du definierst ein prüfbares Ziel. Die KI wählt eine Aufgabe, führt sie aus, prüft das Ergebnis und wiederholt den Ablauf, bis das Ziel erreicht ist — oder eine harte Stop-Regel greift.
Was den Lauf auslöst: ein Befehl, ein Zeitplan, ein Hook, ein Ticket.
Der abgesteckte Arbeitsbereich — Dateien, Branch, Repo, nicht „irgendwas im Projekt“.
Was der Agent ausführt: lesen, ändern, Tools bedienen, Tests laufen lassen.
Ressourcen- und Iterationslimit. Ohne Cap wird der Loop zum Token-Ofen.
Wann fertig ist: Ziel erreicht, kein Fortschritt, Eskalation an dich.
Wie das Ergebnis dokumentiert wird — State-Datei, Diff, Ticket-Update.
Loop-System zum Mitnehmen
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Fünf Komponenten in Claude Code
Dieselbe Idee steckt in Claude Code nativ. Fünf Bausteine — zusammen ergeben sie den Loop, den Cherny meint.
1. Automationen
Sie starten den Loop selbstständig — ohne dass du jede Runde tippst.
In der Praxis: /loop wiederholt auf einem Intervall, /goal läuft bis eine verifizierbare Bedingung wahr ist, dazu geplante Tasks, Hooks und bei Bedarf GitHub Actions. Cloud-Automationen brauchen den Rechner nicht an; Desktop und /loop schon. Wähle den Weg nach dem Job, nicht nach dem Buzzword.
2. Getrennte Arbeitsgruppen (Worktrees)
Mehrere Agenten parallel, ohne sich gegenseitig die Dateien zu überschreiben.
Jede Session bekommt einen eigenen Git-Worktree: eigenes Arbeitsverzeichnis, eigener Branch, dieselbe Historie. Session A rührt Session B nicht an — wie zwei Entwickler auf getrennten Branches.
claude --worktree feature-auth
3. Skills
Sie speichern den nötigen Projektkontext, damit du ihn nicht immer neu erklären musst.
Eine SKILL.md hält Konventionen, Checklisten und Abläufe fest. Der Agent lädt sie, wenn die Aufgabe passt — statt bei jedem Lauf von null zu raten. Wissen kompoundiert; der Prompt nicht.
4. Verbindungen zu deinen Tools (MCP)
So kann der Loop deine Werkzeuge tatsächlich bedienen — nicht nur Dateien umschreiben.
Über das Model Context Protocol (MCP) hängt Claude Code an Issue-Tracker, Monitoring, Datenbanken, Browser. Ohne MCP: Diffs und Shell. Mit MCP: Ticket lesen, Sentry prüfen, PR öffnen, Notion updaten.
5. Sub Agents
Ein anderer Agent prüft die Arbeit als derjenige, der sie ausgeführt hat.
Agent A (Generator) schreibt und löst. Agent B (Evaluator) prüft unabhängig gegen Ziel und Checks. Dieselbe Trennung steckt in /goal: nicht der Macher entscheidet allein, ob fertig ist.
Erst Ziel und Stop. Dann Automation. Dann Isolation (Worktree), Wissen (Skill), Tools (MCP) und erst danach parallele Sub Agents — sonst multiplizierst du Chaos.
Loop-Brief zum Einstieg
Ob in Claude Code, Cursor oder im Chat: derselbe Brief. Ersetze die Platzhalter.
Ziel: [prüfbares Ergebnis, z. B. drei Tests grün / fünf Quellen mit Link] Check: [Pass/Fail — Test, Checkliste, zweiter Agent] Stop: nach max. [N] Runden ODER kein Fortschritt → an mich eskalieren State: nach jeder Runde in progress.md: erledigt / offen / blockiert Regeln: kleine Schritte. Keine Selbstbenotung ohne Check. Aufgabe: [konkrete Aufgabe heute]
Auch ohne IDE: Recherche (Quellen → gegen Links prüfen), Text (Entwurf → zweite Runde gegen Checkliste), wiederkehrende Jobs (fester Trigger, festes Format, „fertig wenn“).
Wann kein Loop
Wenn es schiefgeht
Ohne Budget und ohne „kein Fortschritt → stop“ verbrennt der Loop Credits, bevor er konvergiert.
Derselbe Bereich zehnmal ohne Bewegung: Ziel zu groß oder Check zu weich. Verkleinern oder eskalieren.
Den fehlschlagenden Test löschen statt den Bug fixen. Deshalb: Evaluator getrennt, Regeln hart.
Deine 2-Minuten-Aufgabe
Welches prüfbare Ziel legst du heute in einen Loop?
Nimm eine Komponente zuerst — oft reicht Automation plus Stop. Die anderen vier kommen, wenn Parallelität oder Tools wirklich nötig sind.
Dein Aktionsplan
Hak ab, was du erledigt hast:
Der Prompt tippt die Runde. Der Loop entscheidet, ob die nächste noch nötig ist.
Dein nächster Schritt
Bau heute einen Loop mit Ziel, Check und Stop — nicht den nächsten Einzelprompt.
Solche praxisnahen Systeme schicke ich jede Woche per Newsletter — ein System, ein Tool, ein Prompt. Kurz, konkret, sofort anwendbar.
Passt dazu

Christopher Thanisch
Ich übersetze KI in brauchbare Systeme für den Arbeitsalltag — Systeme statt Hypes.